Ich habe mir das Links-Stricken beigebracht. Nein, ich meine nicht linke Maschen. Die kann ich schon. Sondern so zu stricken wie ein Linkshänder stricken würde, wenn man ihn lässt. Nämlich genau spiegelbildlich. Und das kommt dabei raus:
Das ist ein uraltes Garn (vierstellige Postleitzahl auf der Banderole), das ich mal von einer Freundin geschenkt bekommen habe. Und damit daraus etwas nützliches wird, wird es ein Schal. Da die Farbe zu niemandem in meiner Familie passt, kommt er in die Verschenke-Kiste.
Jedenfalls ist Linksrum Stricken gar nicht so einfach. Seit über einer Woche übe ich täglich, und so nach und nach werde ich schneller. Das Schwierigste ist die Fadenführung, und deshalb ist dieser Schal auch etwas ungleichmäßig. Immer mal wieder gibt es größere und kleinere Maschen. Aber es hält sich im Rahmen.
Wenn man so etwas versucht, dann merkt man erst einmal, wie viele Dinge man beim Stricken für selbstverständlich hält, die es aber ganz und gar nicht sind. Es ist schon einiges zu koordinieren.
Und warum ich mir das antue? Zwei Gründe: Ich werde bald einen Strickkurs halten, und möchte auch Linkshändern die Möglichkeit geben, das zu lernen. Und zweitens möchte ich lernen, mit der rechten Hand eine vernünftige Fadenspannung hinzubekommen. Das kann man nämlich auch gebrauchen, wenn man mal Englisch stricken will (so mit Faden werfen und so). Das kann ich zwar theoretisch, aber praktisch ist es total ungleichmäßig, weil ich die Fadenspannung mit der rechten Hand (ich bin Rechtshänder) nicht unter Kontrolle bekomme.
Es gibt sogar noch einen dritten Grund: Gehirnjogging. Dinge, die man schon immer auf eine Weise tut, einmal anders zu machen, hält das Gehirn auf Trab. Nebenbei ist Stricken sowieso schon gut fürs Gehirn, haben Hirnforscher herausgefunden. Ich liebe Herausforderungen.
Auch das Sockenstricken werde ich noch in spiegelbildlicher Form lernen. Aber jetzt ist erstmal der Schal dran.
