Länger habe ich nicht gestrickt, und hier auch nichts geschrieben. Einige der letzten Tage standen einfach nicht im Kalender. Nichts geschafft, nur rumgehangen, schlecht geschlafen, Allergiebeschwerden, um nur ein paar Stichworte zu nennen. Und allgemeine Unlust, noch nicht mal Stricken konnte mich locken.
Dabei war das Wochenende ganz klasse, denn der beste aller Ehemänner hat mich zu unserem 18. Hochzeitstag (und, ja, ich würde ihn auch heute wieder heiraten, heute hätte ich noch mehr Gründe dafür als vor 18 Jahren) mit einem Ausflug überrascht: Wir waren im Rheinischen Industriemuseum in Ratingen, wo die ersten deutschen Spinnmaschinen aufgestellt wurden. Das ganze hat sogar einen recht spannenden Hintergrund mit Industriespionage und Abwerbung von Mitarbeitern, Billiglohngebieten und so. Also thematisch sehr aktuell, obwohl die Maschinen Ende des 18. Jh. in Betrieb genommen wurden. Im Museum kann man heute noch Maschinen besichtigen (auch in Betrieb), die damals gelaufen sind, und größtenteils von Frauen bzw. Kindern bedient/beaufsichtigt wurden. Von Werksschutz noch keine Rede… Ich schweife ab. Jedenfalls wird dort ausführlich dargestellt, wie man von einem Ballen Baumwolle bis zum Faden kam. Alles an den alten Maschinen. Übrigens steht dort auch ein Großrad (Walking wheel), das allerdings nicht vorgeführt wurde. Schade. Außerdem läuft dort gerade eine Ausstellung zum Thema Dessous. Sehr interessant bis wirklich witzig.
Eine sehr interessante Information war für mich, dass Baumwolle sich am besten unter tropischen Bedingungen verarbeiten lässt: Möglichst hohe Luftfeuchtigkeit und mindestens 30 Grad Wärme. Dieses Klima hat man übrigens sogar schon damals in der Fabrik zu schaffen gewusst! Ist es weniger feucht und warm, dann gleiten die Fasern der Baumwolle zu leicht aneinander vorbei, und bei der relativ kurzen Faserlänge reißt der Faden bei der Verarbeitung dann super leicht ab. Ich glaube, damit ist für mich das Handspinnen von Baumwolle erstmal gestorben. Nicht, dass ich es nicht mal probieren werde. Aber ernsthaft ein Projekt damit planen werde ich wohl nicht. Nunja, vielleicht bringt uns ja die Klimaerwärmung hier tropisches Klima (nicht dass ich das wirklich wünschen würde!), dann könnte ich mir das mit dem Projekt ja nochmal überlegen.
Gekrönt wurde der Ausflug dann durch einen Restaurantbesuch in Ratingen. Ratingen ist nun wirklich nicht der Ort, an dem man ein ganz ausgezeichnetes (im wahrsten Sinne des Wortes, die haben schon etliche Preise eingeheimst) vegetarisches Restaurant erwartet. Riesen Karte, und selbst für mich allegiegeplagtes Wesen gab es eine fast unübersichtliche Auswahl an Gerichten. Ich sag’ nur: Es war lecker, lecker, lecker. Und für mich ist es wirklich selten, dass ich ohne Vorbehalte im Restaurant essen kann.
Gestern dann kam nach dem allgemeinen Durchhänger in der ersten Wochenhälfte der Durchbruch, zumindest, was die Handarbeiten angeht. Ich habe mein Spinnrad aus der Ecke geholt (sicherlich auch angeregt durch die Besichtigung), nicht abgestaubt (obwohl das durchaus mal nötig wäre, räusper) und losgelegt. Auf der Spule war noch die angefangene Büffelwolle, und die habe ich so mal eben fertig gesponnen. Das war allerdings nicht allzuviel Arbeit, es waren nur wenige Hände voll.
Die Büffel-Wolle stammt aus dem Nachlass meiner Mutter. Viel Haar, wenig Wolle, noch mit allem Fett, Dreck, etc. Weder kardiert noch gekämmt noch irgendwie sonst aufbereitet. Da ich absolut keine Lust hatte, mich erst mit Säubern, Waschen etc. zu beschäftigen, habe ich einfach losgelegt. Ich habe ganz langsam gesponnen, weil ich immer wieder zu kurze Fasern, Gras und anderes rausmachen musste. Ich musste auch immer mal wieder sortieren, auseinanderzupfen und so. Also langsam. Aber gerochen hat das Ganze nicht, sonst hätte ich mich sicherlich geweigert. Es war einfach die Frage, was für ein Garn gibt das. Nunja, es ist sehr hart, aber auch das Ausgangsmaterial war ja schon recht hart. Gleich verzwirnt habe ich auch, bei der Menge kein Problem.
Insgesamt sind es sicherlich nicht allzuviele Meter Garn geworden, und so sieht das Ganze aus:
Leider nicht die besten Bilder, aber mit Blitz geht’s nicht besser. Und alles andere hat die Kamera heute verweigert. Man sieht, wie hart und sperrig das Ganze ist. Noch ungewaschen, ich bin mal gespannt, wieviel Gramm das dann sind (mal ganz abgesehen von einer Lauflänge). Es war eine interessante Erfahrung, aber ich bin mir sicher, dass es auch nicht wirklich gut geeignetes Material war. Nicht nur, weil es gar nicht zum Spinnen vorbereitet war. Eher, weil ich vermute, dass dies nicht die Winterwolle ist – zuviel Haar, zu grob insgesamt. Außerdem war die Faserlänge nicht so besonders groß. Ich vermute, dass die Haare aus den Büffelfellen stammen, die meine Mutter besaß, also abgebrochen waren, was auch die kurze Faserlänge erklärt. Was mich jetzt mal interessieren würde, wäre, so richtigen Winterpelz zu verarbeiten!