Aug 222015
 

Als ich mich mit dem Weben wieder ein bisschen beschäftigt hatte, kam das Verlangen nach einem Webrahmen oder etwas Ähnlichem auf. Allerdings erinnerte ich mich an meinen Brio „Webstuhl“, mit dem ich als Jugendliche so lange gearbeitet hatte, bis ich die Kette, die aufgezogen war, abgewebt hatte. Ich habe versucht, eine Kette nach der Anleitung aufzuziehen, aber hatte riesige Probleme mit der Fadenspannung, und niemanden, der mir helfen konnte (das war in den 70er Jahren, also vor Internet und Smart Phone). Danach habe ich den nie wieder angerührt.

Ich hatte mir verschiedene Videos im Internet angesehen, wie man auf einen Webrahmen eine Kette direkt aufzieht. Ich war der Überzeugung, dass ich das auch schaffen könnte. Ich überlegte mir nun, dass ich das Ganze doch erstmal mit meinem Kinderwebstuhl versuchen sollte, um mal einen ersten Eindruck zu bekommen, ob mir das denn überhaupt liegen würde. Wenn es mir nicht gelingen sollte, diese kleine Version mit einer Kette zu versehen, wie sollte mir das an einem großen gelingen? Schließlich brauchte ich bei diesem Teil nichts zu investieren als etwas Garn aus meinem Vorrat zu nehmen, das mir halbwegs geeignet schien.

Als Schärstift diente mein Traditional Spinnrad, und so zog ich meine erste Kette auf. Die war ziemlich lang und ich habe sie mit dickem Papier (Zeitungsumschläge) aufgewickelt. Das Ganze war schief und krumm, die Fäden liefen teilweise falsch, die Halterungen der „Litzen“ machten sich selbständig, aber die Fadenspannung stimmte halbwegs, und ich konnte etwas weben. Nämlich diesen Streifen:

Briostreifen

Das hat richtig Spaß gemacht, und mich verlangte nach mehr. Nun sind derzeit mal eben so 300 – 400 Euro, die ein guter Webrahmen mit ein bisschen Zubehör kostet, nicht einfach mal so in der Portokasse (man kann auch noch wesentlich mehr ausgeben, wenn man will, je nach Ausbaustufe und Firma). Aber ich wollte ja sofort weben. Der Kinderwebstuhl hat nur wenig Webbreite, und viel zu grobe „Litzen“ für meinen Geschmack. Außerdem ließ er sich nur notdürftig reparieren, und zügiges Weben ist darauf nicht möglich gewesen.

Bei meinen Recherchen stieß ich auf eine englischsprachige Seite, nämlich Backstrap Weaving. Dort gibt es Tutorials, mit deren Hilfe man sich das Weben mit einem Gurtwebgerät selbst beibringen kann – auf die überwiegend südamerikanische Art, bei der die Fächer mit Litzen an einem Stab gebildet werden. Es gibt auch auf Ravelry eine passende Gruppe: Backstrap Weaving on Ravelry

Später fand ich noch Informationen über Bänderweben mit einer ähnlichen Technik, bei der aber ein Gatterkamm in der Kette die Fächer bildet, das Jostenbandweben. Dazu gibt es auf YouTube mehrere Videos, man braucht nur das Stichwort Jostenband eingeben. Jostenbänder wurden in Ostpreußen gewebt, die Technik wurde aber mit leichten Variationen im gesamten Ostseeraum bis ins letzte Jahrhundert hinein verwendet, war früher aber auch sonst in Europa weit verbreitet.

Die Stäbe, die man zum Gurtweben braucht, lassen sich leicht entweder aus Haushaltsgegenständen, oder aber aus Buchenholzstäben und -leisten aus dem Baumarkt selbst machen. Die Stäbe werden auf die gewünschte Länge gesägt, die Kanten gebrochen und dann mit Schleifpapier geglättet. Aus flachen Leisten kann man Schiffchen und Schwert herstellen. Außer diesen Stäben braucht man noch eine Kordel oder etwas ähnliches, mit dem man die Stäbe an der eigenen Hüfte befestigt.

Hier mein fertiges Gurtwebgerät (das Schiffchen ist das vom Kinderwebrahmen, das ich auch selbst geglättet habe):

Webgerät

Das breite gewebte Stück auf dem Bild ist schon auf dem Gurtwebgerät entstanden, es ist eine Art breiter Gürtel, in dessen Enden sich Schlaufen befinden, in die der Warenbaum eingehängt wird. Zusätzlich gekauft habe ich mir noch zwei Schraubzwingen, an denen ich den Kettbaum festmache, und die mir auch beim Kette schären gute Dienste tun.

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